Lucienet - Thomas und Arnos Homepage - Reiseseite
Unser Italienurlaub 2001 sollte die erste größere Tour mit dem Tandem werden. Wir haben uns nach einer Probefahrt im Juli ein Cannondale RT1000 bestellt - nach zwei Wochen kam dann ein Anruf von unserem Radlhändler...
Leider habe ich eine schlechte Nachricht für Euch: Das RT1000 in Eurer Rahmengröße ist ausverkauft. Neue Modelle gibts erst 2002...
Zum Glück durften wir dann sein privates RT1000 wieder (für fast zwei Monate, wir mussten ja noch etwas trainieren) ausleihen - Friedl, nochmal vielen Dank dafür!
Nach einigen Trainingsfahrten mit und ohne Zuladung brechen wir dann am 31. August mit dem Zug Richtung Italien auf, wo wir am nächsten Vormittag in Prato bei Florenz ankommen. Dort halten wir uns gar nicht lange auf und fahren im Arnotal nach Pisa weiter. Die Fahrt am Arno entlang ist allerdings nicht so romantisch, wie wir uns das vorgestellt haben - man fährt hauptsächlich durch Industriegebiete. Hier treffen wir auch schon die ersten Rennradlergruppen auf ihren samstäglichen Übungsrunden an. Mit solchen Gruppen fahren wir im Verlauf der Reise noch öfters mit...
In Pisa steht natürlich ein Besuch des Schiefen Turms auf dem Programm - schnell ziehen wir mit dem Tandem auf der Gegenspur an der langen Autokolonne vorbei, die sich auch Richtung Turm wälzt. Leider ist jedoch das Besteigen des Turms immer noch nicht möglich...
Anschließend geht es dann weiter nach Marina di Pisa, wo wir diese Etappe bei einem guten Essen beenden.
Unsere nächste Etappe führt uns Richtung Süden am Meer entlang durch Livorno. In unseren Augen ist das eine Stadt,
die sich durch ihre Normalität erfreulich von den Touristenstädten abhebt. Südlich von Livorno kann
man sogar trotz der nahen Industrie an einem schönen Strand in anscheinend sauberem Wasser baden.
Auf meist ruhigen, stellenweise aber auch ziemlich stark befahrenen Straßen führt uns der Weg Richtung Elba an diesem
Tag noch bis Marina di Castagneto-Donoratico.
Hier legen wir erst mal einen Faul- und Badetag ein. Vor unserer Abreise finden wir hinter den Mülltonnen im Camp
noch einen kleinen Klappstuhl, der uns bis zum Ende der Reise begleitet.
Um der lt. Bikeführer wenig aufregenden Landstraße Donoratico - Piombino auszuweichen, biegen wir in Donoratico ins Hinterland ab und fahren die leicht hügelige und landschaftlich wunderschöne Strecke über Castagneto Carducci, Sassetta, Suvereto und Venturia nach Piombino.
Piombino, eine Stadt des Stahls und der Schwerindustrie, ist so dreckig, daß wir schon von der kurzen Fahrt bis zum Hafen etliche schwarze Krümel auf der Haut haben. Nach einer etwa einstündigen Überfahrt gehen wir in Portoferraio an Land. Unser Camp für die nächsten fünf Nächte (und der schönste Campingplatz auf der ganzen Reise) am Fuß des Mt. Enfola ist schnell erreicht.
Von dem terrassenförmig angelegten Platz (nur die Zelte dürfen auf die Terrassen, die Wohnmobile und Wohnwagen müssen weiter hinten parken) hat man zu jeder Tageszeit einen anderen, tollen Blick über die Bucht...
In der ersten Nacht fliegt uns allerdings bei einer Art Sandsturm immer wieder schaufelweise der Sand durch die Lüftungsöffnungen ins Zelt.
Vor der Elba-Westtour gibt es am nächsten Morgen erst mal gut Frühstück auf unserer schönen Terrasse.
Die Tour führt uns zurück nach Portoferraio, um dort Richtung Mt. Pericoli abzuzweigen. Am Golfo di Procchio vorbei, lassen wir uns in Marciana Marina noch ein Eis schmecken und geniessen den Blick über die Bucht...
... bevor es dann beim Aufstieg nach Poggio anstrengend wird. Dort ist erst mal eine kurze Rast angesagt.
Auch die Katze macht Mittagspause...
Aber es ist schon Nachmittag und erst 1/3 der Tour gefahren. Deshalb müssen wir uns aufraffen und noch ordentlich in die Pedale treten. Die Tour führt uns noch rund um den Mt. Capanne, auf dessen Südseite die Vegetation schon erheblich verbrannter ist als auf der saftigen Nordseite.
Nach Campo nell' Elba führt uns eine steile Auffahrt am 377m hohen Mt. Tambone vorbei, die mit einer wunderschönen Aussicht auf die Halbinseln Lacona und Stella belohnt wird. Leider haben wir davon keine Bilder :-(
Nach rasender Abfahrt an den Golfo della Lacona streifen wir noch den Golfo Stella, bevor uns die Straße nach einer langen Rundfahrt wieder über Portoferraio zu unserem Camp nach Enfola führt.
Unterwegs noch gut eingekauft, steht dem wohlverdienten Abendessen nichts mehr im Wege.
Kochen in der Abendsonne - so eine Küche müsste man daheim auch haben!
Nach dem Abendessen ist Weinprobe mit den Platznachbarn, Bikern aus Österreich. Ihr Kommentar, als sie unseren Campingstuhl sehen: "Diese dekadenten Radfahrer..."
Nach faulem Rumgeliege am Strand können wir am übernächsten Tag endlich den Ostteil der Insel abradeln. Auf der Strecke von Cavo nach Rio nell' Elba liefern wir uns ein Rennen mit einem Mountainbiker - der Muskelkater am nächsten Tag ist sehr ausgeprägt, so daß wir nur ein kurzes Stück (quer durch die Insel) zum Baden fahren. Abends gibt es zum Abschied noch einen guten Elba-Wein.
Nach der Rückfahrt nach Piombino (die Fähre ist brechend voll) schlagen wir weiter den Weg nach Süden ein. Nach einer Zwischen-Übernachtung in Marina di Grosseto (wo es das erste Mal kurz regnet) geht es wieder ins Hinterland, um auf dem Weg zum Monte Argentario den Parco Regionale d. Maremma zu umfahren (durch diesen Park führt zwar eine Autobahn, aber keine 'normale' Straße). Monte Argentario ist eine Halbinsel, die durch drei schmale Landstreifen mit dem Festland verbunden ist.
Den Mt. Il Telegrafo lassen wir jedoch rechts liegen. Statt dessen laufen wir (Arno sagt gehässiger Weise 'an der Autobahn entlang', er hätte nämlich gerne einen Motorroller gemietet) vom Camp aus nach Porto Ércole.
Anfangs ist die kleine Katze sehr scheu. Aber wir können ihr Vertrauen gewinnen, so dass sie sogar bei uns im Zelt schläft.
Nach Grosseinkauf in Orbetello kochen wir so richtig auf
Nach der Abfahrt von Monte Argentario wenden wir (für dieses Mal) der Küste endgültig den Rücken zu und fahren durch das hügelige Hinterland über das Bergdörfchen Manciano erst mal zur Terme di Saturnia. Dort bildet ein warmer schwefelhaltiger Bach Terrassen, die tagsüber von Dutzenden Badelustigen besucht werden. Eine einmalige Sache ist aber ein Nachtbad! So einen Sternenhimmel haben wir noch nie erlebt. Es ist dort im weiten Umkreis stockdunkel, so dass sich die Milchstrasse bis zum Horizont aufspannt.
Nachdem wir von Orvieto aus zurückfahren wollen, beschließen wir, am Lago die Bolsena Station zu machen. Der Weg dorthin führt uns durch die wildromantischen Bergdörfer Sovana, Pitigliano und Sorano, die auf hohen Tuffsteinfelsen über den tief unten tosenden Flüssen thronen.
In Sovana gibt's noch eine Pizza und ein Eis zur Stärkung - hier der Blick von dem Restaurant auf den Plaza (und aus das Tandem, das immer wieder größtes Interesse bei den Spaziergängern hervorruft)
Ein enttäuschend langweiliger Platz und einsetzender Regen am Lago di Bolsena lassen uns einen Tag früher abreisen - einem relativ trockenen Aufstieg vom Lago zum Kraterrand folgt eine rasende Abfahrt in strömendem Regen nach Orvieto. Von dort aus fahren wir mit der Regionalbahn nach Florenz, dort dann weiter nach München.
Die Abfahrt wird nochmal spannend, denn die Bundesbahn stellt die Fahrradbeförderung mit Gepäckwagen ausgerechnet in der Zeit ein, in der wir in Italien sind. Es gibt nur noch ein kleines Abteil für max. 15 Räder, in das sich 30 Räder quetschen müssen - das Ganze sieht aus wie ein Schrotthaufen.
Fast gibt es mit dem Schaffner nach dem Kommentar 'Ihr könnt mit aber das Rad bleibt da' ernsthaft Stress - aber dank der Solidarität der anderen Radler transportieren wir das Rad quer über allen anderen liegend, mit Kissen, Schuhen etc. abgepolstert. Im weiteren Verlauf der Fahrt kommen noch weitere 5 Räder hinzu!
Die Reise zurück ist fast eine Odyssee. Nach einem Zwischenstop fährt der Lokführer mit schleifender Bremse weiter, so dass der ganze Zug eine stinkende Qualmwolke hinter sich herzieht. Garniert wird das Ganze mit einer nicht angekündigten sechsstündigen Verspätung wegen Sperre am Brenner (und keiner der Bahnerer weiss Bescheid).
Fazit: Ein wunderschöner Urlaub, das steht fest und wird wiederholt.
Aber: Bahn und Rad? - nein danke, uns reichts. Wieder daheim legen wir das Tandem probeweise in den
Camaro - siehe da, es passt (nach etwas Demontage) hinein.
Nächstes Jahr wollen wir (auch mit dem Tandem) nach Teneriffa. Mal sehen, wie das mit dem Transport im Flugzeug so funktioniert...
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Arno - 13.10.02